Entweder Agil oder Diszipliniert?

Disziplin

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Während meiner Arbeit als Coach bin ich schon mehr als einmal auf Menschen gestossen, die der folgenden Ansicht waren:

Entweder wir arbeiten diszipliniert oder wir sind agil.

Immer wieder wird der Term “agil” missbraucht und missgedeutet, ganz abgesehen davon, dass dieser Begriff sowieso ziemlich abgegriffen ist. Man ist der Meinung, dass man in agilen Projekten beliebig die Richtung ändern kann oder nichts zu planen braucht. Ganz beliebt ist auch folgender Ausspruch:

Cool, wir machen Scrum da muss ich ja nichts mehr dokumentieren.

Aber Agilität hat nichts mit Disziplinlosigkeit zu tun. Im Gegenteil, wenn ein Team nicht mit Disziplin alle Praktiken aus Scrum und XP umsetzt, wird es am Ende eines Sprints auch nichts Lieferbares vorweisen können.

Agile Methoden mögen leicht zu erklären sein, aber sind bekanntlich sehr schwer umzusetzen. Gerade junge agile Teams sind anfangs nicht in der Lage all diese Praktiken auf einmal umzusetzen. Es darf ein hohes Level an Disziplin ohne die Agilität nur schwer erreichbar und vor allem haltbar ist. Das ist etwas was man sich von Anfang an klar machen muss. Agilität ist ein Stück harte Arbeit. Ich bin bisher nur wenigen Teams begegnet, die dazu in der Lage waren. Es gibt immernoch zu wenige Teams, die nach einem Sprint etwas potentiell lieferbares vorweisen können.

Disziplin und Agilität sind keine Gegensätze sondern siamesische Zwillinge.

Es gibt also noch eine Menge zu tun, für die Scrum Master dieser Welt. Lasst es uns diszipliniert anpacken.

5 Responses to Entweder Agil oder Diszipliniert?

  1. Konstantin says:

    Es gibt immernoch zu wenige Teams, die nach einem Sprint etwas potentiell lieferbares vorweisen können.

    Dass das Produkt(inkrement) eines Sprints tatsächlich auslieferbar ist, ist meiner Meinung nach gleichzeitig einer der wichtigsten und mit am schwersten umsetzbare Aspekte.

    Ich stimme absolut mit dir überein, högschde Disziplin gehört auf jeden Fall zu den Scrum Basics – was übrigens nicht heißt, dass man nicht auch Spaß haben darf!

    • marc says:

      Danke für deinen Kommentar. Es gibt doch nichts schöneres als funktionierende, qualitativ hochwertige Software, die man stolz im Sprint Review präsentieren kann. Das macht einen riesen Spaß :) Das motiviert ein Team weiter diszipliniert am Ball zu bleiben.

  2. Christoph says:

    Gerade der letzte Teil aus “alle Praktiken aus Scrum und XP ” wird gern unter den Tisch fallen gelassen. Scrum ist relativ schmerzfrei einzuführen (wenn man mal nur die oberflächlichen Praktiken meint). Aber die Techniken aus XP sind schon größere Einschnitte. Selbst wenn man es nur so oberflächlich wie mit den Scrum Praktiken versucht.

  3. Sebastian says:

    Ich stimme Dir bzw. diesem Beitrag zu.

    Jetzt ist über Twitter ein Missverständnis entstanden, 140 Zeichen sind einfach nicht genug: https://twitter.com/#!/Sanitz/status/164818939682103298

    Das ist keine Kritik an der Aussage in diesem Blogpost. Ich habe auch die Erfahrung gemacht das erfolgreiche agile Teams sehr diszipliniert arbeiten. Punkt.

    Was ich interessant finde – und in dem Tweet andeuten wollte – geht über diesen Beitrag hinaus. Woher kommt bei dem anonymen zitierten Statement “entweder agil oder diszipliniert” die Forderung nach Disziplin und welches Bedürfnis steckt dahinter? Wie kann man dieses Bedürfnis anders adressieren? Ist das ein Bedürfnis was dem gemeinsamen Ziel des Teams, der Organisation oder Firma entspricht?

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