Agiler Mythos #2: Keine Dokumentation

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Der Mythos, dass es in agilen Projekten keine Dokumentation gibt, hält sich schon ziemlich lange. Ich behaupte Mal, dass es mindestens 11 Jahre sind, denn so lange gibt es das Agile Manifest schon. Dort heisst es an zweiter Stelle:

Funktionierende Software mehr als umfassende Dokumentation

Was soviel bedeutet, dass funktionierende Software mehr geschätzt wird, wie eine umfassende Dokumentation. Oft wird hier missgedeutet, dass agile Teams gar keine Dokumentation erstellen. Das steht hier aber nicht. Selbstverständlich wird auch deren Software sauber dokumentiert, je nach Umgebung mal mehr oder weniger. Der Unterschied zu traditionellen Teams ist der, dass nur soviel Dokumentation erstellt wird wie notwendig ist, um in die erste Iteration zu starten. Der Rest der Dokumentation wird iterativ erstellt, immer nur gerade soviel wie nötig.

Wer kennt Sie nicht, die monatelangen Anforderungs- und Designphasen die tonnenweise Papier produzieren. Und das alles nur um dann bei der Implementation festzustellen, dass vieles davon doch ganz anders kommt. Und wer aktualisiert dann die ganzen Dokumente? Oft niemand. Den Kunden machen Sie sicher auch nicht glücklich, wenn sie ihm die telefonbuchdicke Dokumentation auf den Schoß legen und die eigentliche Software raucht ständig ab.

Auch gibt es mittlerweile sehr viele agile Teams in regulierten Umfeldern, wie die Medizin oder im Bankwesen. Dort ist ein bestimmtes Maß an Dokumentation z.T. gesetzlich vorgeschrieben. Würden agile Teams diese nicht liefern, wird die Software am Ende nicht zugelassen.

Man muss aber auch zugeben, dass es nicht immer einfach ist den richtigen Mittelweg zwischen zuviel und zu wenig Dokumentation zu finden. Die sogenannten “Mini-Wasserfälle” sind hier ein gutes (Negativ-)Beispiel. Aber mit der Zeit und der nötigen Erfahrung findet man den richtigen Weg. Aus meiner Sicht braucht es hierfür vor allem eines: Eine klar vorgebene Vision. Diese hilft auf dem richtigen Weg zu bleiben, ohne alles von Anfang an bis ins letzte Detail beschreiben zu müssen. Aber das ist das Thema eines anderen Artikels.

One Response to Agiler Mythos #2: Keine Dokumentation

  1. “…, dass es nicht immer einfach ist den richtigen Mittelweg zwischen zuviel und zu wenig Dokumentation zu finden.”

    Das ist wohl wahr. Idealerweise beeinflussen die Zielgruppen der Dokumentation und die Ziele, die mit der Dokumentation verfolgt werden sollen, Inhalt und Umfang.

    Ein wichtiger Einflussfaktor sind meiner Erfahrung nach auch organisatorische Randbedingungen. Ein Beispiel hat Hr. Löffler bereits gegeben: reguliertes Umfeld. Andere könnten Vorhaben mit hoher Fluktuation im Team sein, oder verteilte Teams. Das ist auch einer der Gründe, warum Open Source Projekte hohe Anforderungen bzgl. Dokumentation haben.

    Herzliche Grüße,
    StefanZ

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